Babykost & Sonnenvitamin D

Spätestens beim ersten Kinderarztbesuch werden junge Eltern damit konfrontiert: Vitamin D, auch Calciferol genannt.

Dieses wichtige Vitamin wird allen Babys in Form von Tabletten zur Substitution empfohlen. Doch was steckt überhaut dahinter, sind Tabletten wirklich notwendig, wie sieht es in der Beikostzeit aus, welche Lebensmittel enthalten ausreichend Vitamin D?

Kaum ein Vitamin wird mehr diskutiert als das fettlösliche Vitamin D. Zur Vitamin-D-Familie gehören mehrere Verbindungen, die beiden wichtigsten sind das tierische Vitamin D3 (Cholecalciferol) und das pflanzliche Vitamin D2 (Ergocalciferol).

Vitamin D3 ist wichtig zum Aufbau gesunder starker Knochen, hat aber zudem Wirkungen auf die Insulinausschüttung, das Zellwachstum und das Immunsystem. Es wird daher auch eine Rolle bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, Tumoren, Hauterkrankungen, Infektionen und Depressionen vermutet.

Normalerweise wird das aktive Vitamin D3 durch Sonneneinstrahlung auf die Haut vom Körper aus Cholesterin selber gebildet. Auf 2 qcm gesunder und unbedeckter Haut werden beim Erwachsenen bei entsprechender UVB Sonneneinstrahlung (in unseren Breiten von März bis Oktober) etwa10 I.E. Vitamin D pro Stunde gebildet. Diese endogene Vitamin D Produktion ist allerdings neben der Art und Menge der Sonneneinstrahlung von verschiedenen anderen Einflussfaktoren wie etwa Hautfarbe bzw. –pigmentierung oder Hautdicke abhängig.

Die Verwendung von Sonnenschutzmitteln kann diese Eigensynthese jedoch schon ab LSF 10 um bis zu 95% reduzieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb in der Wintermonaten eine Substitution von Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungspräparaten. Bei den angegebenen Dosierungen handelt es sich um Schätzwerte bei fehlender endogener Synthese, das bedeutet ohne jegliche Vitamin D Produktion über die Haut. Besonders bei Säuglingen zählt diese Ergänzung mit 400-500I.E. = 10-12,5µg Vitamin D3 zum Standard, da im ersten Lebensjahr ein enormes Längen-und Knochenwachstum stattfindet und die natürliche Muttermilch als Vitamin-D3 arm gilt.

Viele Eltern stehen dieser generellen Medikamentengabe ihrer Säuglinge skeptisch gegenüber. Auch Anthroposophen und Hebammen raten seit Jahrzehnten zu einem kritischeren Umgang mit der allgemeinen Vitamin D-Gabe.

Hat die Natur wirklich vorgesehen, schon Neugeborene synthetisch mit Vitaminen zu versorgen?

Muss ein junger Organismus sich wirklich schon mit Zusatzstoffen der Vitamintabletten wie Sojaöl, Gelatine, Talkum etc. auseinandersetzen?

Ist die Gefahr der Überdosierung nicht vernachlässigt?

Und ist der natürliche Vitamin-D-Gehalt der Muttermilch zum einen durch die Trinkmenge zum anderen auch durch die körpereigene Hautsynthese des Säuglings nicht doch ausreichend?

Mittlerweile belegen einige Studien, dass Muttermilch als ideales Nahrungsmittel für den Säugling keineswegs die Gefahr einer Rachitis birgt. Neben Vitamin D3 enthält Muttermilch einige sehr viel aktivere Metaboliten und schützt allein dadurch vor einer „Knochenerweichung“. Der Vitamin D-Gehalt der Muttermilch wird mit einem Wert von 0,1-1,2µg/l, meist mit einem Durchschnittsgehalt von 0,4µg/l angegeben. Allerdings lässt sich der Vitamin D- Gehalt der Muttermilchdurch eine Vitamin D reiche Ernährung und ausreichende Sonnenexposition der Mutter durchaus positiv beeinflussen. Bei sehr hoher Vitamin D Aufnahme der Mutter sogar bis über 800 I.E.= 20µg l Muttermilch! Sogar schon in der Schwangerschaft können werdende Mütter durch ein entsprechendes Ernährungs-und Freizeitverhalten oder die Einnahme von Vitamin D-Präparaten bzw. als natürliche Quelle in Form von Fischölkapseln ihren Vitamin D-Status optimieren.

Da Vitamin D sich als fettlösliches Vitamin im Fettgewebe und in der Skelettmuskulatur anreichert dient das in den Sommermonaten über die Haut gebildete Calciferol zudem als Beitrag zur Vitamin D Versorgung im Winter.

Während der Beikostzeit ist zusätzliches Stillen also nicht nur bezüglich der Allergieprohylaxe ratsam, sondern auch als natürlicher Vitamin D-Lieferant. Daneben sollte gerade in den Wintermonaten auf den Verzehr von Vitamin D reichen Lebensmitteln geachtet werden.

Vor allem fetter Fisch, wie Lachs, Hering oder Makrele und Fischöl sind als wichtige Vitamin D Lieferanten zu nennen. Geringe Mengen sind enthalten in Eiern, fetten Milchprodukten wie Vollmilch, Butter, Sahne oder Käse, Pilzen, z.B. Champignon und in Avocado. Diese Lebensmittel dürfen also ruhig öfter den winterlichen Speiseplan der ganzen Familie erweitern.


Quellen (Stand 27.09.2019):

Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg.): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Vitamin D
https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/

CAROL L. WAGNER, THOMAS C. HULSEY, DEANNA FANNING, MYLA EBELING, BRUCE W. HOLLIS: High-Dose Vitamin D3 Supplementation in a Cohort of Breastfeeding Mothers and Their Infants: A 6-Month Follow-Up Pilot Study
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17661565

Merkblatt Anthroposophische Medizin „Sonnenlicht und Vitamin D“ der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte Deustchland (GAÄD)
https://www.gaed.de/informationen/merkblaetter/sonnenlicht-und-vitamin-d.html